DIY / Heimwerker

Alte Tapete entfernen, ohne die Wand zu beschädigen

Ob Wasser, Dampf oder Igelwalze die richtige Wahl ist, hängt von Tapetentyp und Untergrund ab. Wer das vorher klärt, spart sich hinterher stundenlanges Spachteln.

3. November 20266 Min. Lesezeit

Die meisten Schäden beim Tapetenabriss entstehen nicht beim Abziehen, sondern danach: ausgerissene Putzstellen, aufgequollener Gipskarton, kreuz und quer eingeritzte Kratzer von der Spachtel. Alte Tapete entfernen, ohne die Wand zu beschädigen, ist deshalb weniger eine Frage der Kraft als der Vorbereitung. Zwei Dinge müssen Sie vorher wissen: welcher Tapetentyp an der Wand klebt und was darunter liegt. Erst daraus ergibt sich, ob Sie mit Wasser, mit Dampf oder trocken arbeiten und wie viel Spachtelarbeit danach auf Sie zukommt.

Welche Tapete hängt an der Wand

Machen Sie den Test an einer unauffälligen Stelle, zum Beispiel hinter einem Heizkörper oder in einer Zimmerecke. Lösen Sie mit einem Spachtel eine Ecke an und ziehen Sie vorsichtig nach oben.

Löst sich die Bahn in einem Stück und trocken von der Wand, haben Sie eine Vliestapete vor sich, also eine Tapete mit Trägermaterial aus Zellstoff- und Textilfasern. Die ist der Idealfall. Bleibt nur die farbige Oberschicht in der Hand und ein grauer oder weißer Papierrest an der Wand, ist es eine zweischichtige Tapete, deren Unterschicht Sie meist separat einweichen müssen. Reißt alles in kleinen Fetzen und saugt sich Wasser sofort voll, ist es eine klassische Papier- oder Raufasertapete. Perlt das Wasser dagegen ab, liegt eine Vinyl- oder Kunststofftapete vor, oft in Küche und Bad verbaut.

Mehrere Lagen übereinander sind in Altbauten die Regel. Kommen Sie beim Testkratzen auf drei, vier oder mehr Schichten, planen Sie mindestens den doppelten Zeitaufwand ein.

Der Untergrund entscheidet, wie viel Wasser erlaubt ist

Das ist der Punkt, an dem die meisten Anleitungen zu pauschal werden. Hinter der Tapete kann sich sehr unterschiedliches Material befinden, und es verträgt sehr unterschiedlich viel Feuchtigkeit.

Gipskartonplatten erkennen Sie am hohlen Klang beim Klopfen und an den sichtbaren Fugen alle 1,25 Meter. Sie sind der empfindlichste Untergrund überhaupt. Die Kartonschicht ist nur wenige Zehntel Millimeter dick, quillt bei längerer Nässe auf und lässt sich dann nicht mehr retten, sondern nur noch großflächig überspachteln. Hier gilt: wenig Wasser, kurze Einwirkzeit, kein Dampf.

Gipsputz, der verbreitete Innenputz im Neubau seit etwa den 1960er Jahren, ist weich und hell. Er verträgt Wasser besser als Gipskarton, reagiert aber auf scharfe Spachtelkanten mit Kerben. Kalkzement- und alter Kalkputz, typisch im Altbau, sind härter und wasserunempfindlicher, bröseln dafür an schadhaften Stellen gern weg. Auf Beton oder einem alten, mit Dispersionsfarbe gestrichenen Untergrund können Sie am robustesten arbeiten.

Prüfen Sie die Fläche zusätzlich auf Hohlstellen: mit den Fingerknöcheln abklopfen. Klingt eine Stelle dumpf und hohl, hat sich der Putz vom Mauerwerk gelöst. Diese Stelle wird beim Abziehen nachgeben, egal wie vorsichtig Sie arbeiten.

Werkzeug und Material

  • Breiter Spachtel, 8 bis 12 cm, mit abgerundeten Ecken (scharfe Ecken ritzen den Putz ein)
  • Drucksprüher oder Farbroller mit langem Flor zum Einweichen
  • Tapetenlöser-Konzentrat oder ein Spritzer Spülmittel ins Wasser
  • Igelwalze oder Tapetentiger zum Perforieren wasserfester Tapeten
  • Abdeckfolie, Malerkrepp, Eimer, Schwamm, alte Handtücher
  • Fertigspachtelmasse, Spachtelschiene und Schleifgitter für die Nacharbeit
  • Tiefengrund, falls der Untergrund nach dem Abziehen stark saugt

Einen Dampftapetenablöser müssen Sie nicht kaufen. Baumärkte verleihen die Geräte tageweise, das ist bei einem einzelnen Zimmer die günstigere Variante.

Vor dem ersten Spritzer: Strom aus

Decken Sie Steckdosen und Schalter mit Malerkrepp ab und schalten Sie die Sicherung für den Raum ab, solange Sie mit Wasser oder Dampf arbeiten. Das ist kein übertriebener Hinweis: Feuchtigkeit kriecht hinter die Abdeckrahmen in die Dose. Fußboden mit Folie abdecken und die Ränder mit Kreppband fixieren, sonst schwimmt der Kleister unter die Folie.

Papier- und Raufasertapete: zweimal einweichen statt einmal schrubben

Tragen Sie warmes Wasser mit Tapetenlöser großzügig auf, warten Sie zehn Minuten, und tragen Sie ein zweites Mal auf. Der erste Durchgang wird von der Tapetenoberfläche fast vollständig weggesaugt, erst der zweite erreicht den Kleister. Danach noch einmal zehn bis fünfzehn Minuten warten.

Arbeiten Sie dann abschnittsweise, etwa zwei Quadratmeter am Stück, und setzen Sie den Spachtel flach an, in einem Winkel von höchstens 30 Grad zur Wand. Je steiler der Spachtel, desto sicherer die Kerbe im Putz. Wenn die Tapete Widerstand leistet, nicht fester drücken, sondern noch einmal nass machen.

Wasserfeste Tapeten perforieren, nicht abschaben

Bei Vinyl- und waschfesten Tapeten kommt kein Wasser durch die Oberfläche. Ziehen Sie zuerst die Deckschicht trocken ab, meist geht das erstaunlich leicht. Bleibt eine Papierschicht zurück, weichen Sie diese wie eine Papiertapete ein.

Lässt sich die Deckschicht nicht lösen, kommt die Igelwalze zum Einsatz, eine Walze mit Stachelrädern, die unzählige feine Löcher in die Tapete sticht. Rollen Sie mit gleichmäßigem, mäßigem Druck. Zu viel Druck ist auf Gipsputz und Gipskarton der häufigste selbstverschuldete Schaden: Die Stacheln gehen durch die Tapete hindurch und hinterlassen Hunderte Einstiche im Untergrund, die Sie anschließend alle verspachteln dürfen.

Dampf: wirksam, aber nicht überall

Ein Dampftapetenablöser löst auch mehrlagige, alte Papiertapeten auf Kalk- oder Zementputz zuverlässig. Auf Gipskarton hat er nichts verloren, dort weicht der Dampf die Kartonschicht in Sekunden durch. Auch auf Gipsputz würde ich ihn nur einsetzen, wenn Wasser nach zwei Durchgängen nichts bewirkt hat, und dann mit kurzen Kontaktzeiten von wenigen Sekunden pro Stelle.

Lüften Sie beim Dampfen durchgehend. Die Feuchtigkeit muss raus, sonst schlägt sie sich an kühlen Außenwänden nieder.

Kleisterreste entfernen, sonst hält nichts

Nach dem Abziehen bleibt ein dünner, glänzender Kleisterfilm zurück. Waschen Sie ihn mit klarem Wasser und einem Schwamm ab, Wasser mehrfach wechseln. Übergangene Kleisterreste sind der Grund, warum neue Tapeten später Blasen werfen oder frische Farbe fleckig antrocknet.

Lassen Sie die Wand anschließend mindestens 24 Stunden trocknen, bei dickem Altputz auch zwei Tage. Erst dann sehen Sie die tatsächlichen Schäden. Kleine Fehlstellen und Kratzer füllen Sie mit Fertigspachtelmasse, flach überziehen, trocknen lassen, mit Schleifgitter der Körnung 120 glätten. Saugt der Untergrund danach das Wasser eines Testspritzers sofort weg oder reibt sich sandig ab, streichen Sie Tiefengrund auf, eine wasserdünne Grundierung, die den Untergrund verfestigt und die Saugfähigkeit vereinheitlicht.

Zeit, Kosten und die Stellen, an denen es schiefgeht

Für ein durchschnittliches Zimmer mit etwa 40 Quadratmetern Wandfläche und einer Lage Raufaser sollten Sie einen vollen Tag zu zweit rechnen, inklusive Abdecken und Reinigen. Mehrere Lagen oder Vinyl auf Gipskarton können daraus zwei Tage machen. Die Materialkosten bleiben überschaubar, teuer wird es nur, wenn Sie die Wand anschließend flächig verspachteln und schleifen lassen müssen.

Die drei häufigsten Fehler: zu früh zum Spachtel greifen, statt ein zweites Mal einzuweichen. Den Spachtel zu steil halten. Und zu früh weitermachen, bevor die Wand durchgetrocknet ist.

Wenn hinter der Tapete dunkle Flecken, modriger Geruch oder bröselig-feuchter Putz zum Vorschein kommen, hören Sie mit dem Renovieren auf. Dahinter steckt Feuchtigkeit im Bauteil, und die verschwindet nicht durch Spachtel und Farbe. Großflächiger Schimmel ab etwa einem halben Quadratmeter gehört in die Hände eines Fachbetriebs, der zuerst die Ursache findet.

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