Silikonfugen erneuern im Bad: Altfuge raus, dann warten
Die meisten neuen Silikonfugen scheitern nicht am Abziehen, sondern an Resten der alten Fuge und an zu früher Wasserbelastung. Was beim Entfernen und beim Aushärten wirklich zählt.

Wenn eine frisch gezogene Silikonfuge nach acht Wochen wieder schwarz gesprenkelt ist, liegt das fast nie an der Qualität des Silikons. Es liegt daran, dass von der alten Fuge noch ein hauchdünner Film auf Fliese und Wannenrand geblieben ist, oder daran, dass am Abend nach der Arbeit schon wieder geduscht wurde. Die eigentliche Arbeit beim Silikonfugen erneuern im Bad steckt im Entfernen und im Abwarten. Das Ziehen der neuen Fuge dauert pro Wanne keine halbe Stunde.
Rechnen Sie für ein normales Bad mit Wanne und Dusche eher mit einem ganzen Wochenende als mit einem Nachmittag: ein bis zwei Stunden für das Herauskratzen, mindestens einen Tag Trocknungspause für den Untergrund, und danach noch einmal zwei bis drei Tage, bis die neue Fuge voll belastbar ist.
Warum die neue Fuge wieder schimmelt
Silikon haftet nicht auf Silikon. Jeder Rest der Altfuge, auch der schmierige Film, den man mit dem Finger kaum spürt, verhindert, dass die neue Masse flächig am Untergrund anbindet. Dort entsteht ein Spalt, in den beim Duschen Wasser gedrückt wird. Das Wasser steht dunkel und warm hinter der Fuge, und der Schimmel wächst von innen nach außen. Deshalb ist die scheinbar nebensächliche Reinigungsarbeit der Teil, der über die Haltbarkeit entscheidet.
Der zweite Klassiker ist die sogenannte Dreiflankenhaftung: Das Silikon klebt nicht nur an den beiden Bauteilen links und rechts, sondern auch am Fugengrund dahinter. Dann kann es Bewegungen nicht mehr ausgleichen und reißt längs ein, meist genau in der Mitte. Bei tiefen Fugen gehört deshalb eine PE-Rundschnur in den Fugengrund, eine weiche Schaumstoffschnur, an der Silikon nicht haftet.
Und noch etwas sollte man wissen, bevor man anfängt: Die Silikonfuge ist kein Bauteil, das Wasser aus der Wand hält. Sie ist eine Verschleißschicht vor der eigentlichen Abdichtung hinter den Fliesen. Alle fünf Jahre erneuern ist normal, nicht übertrieben.
Material und Werkzeug
- Sanitärsilikon mit Fungizid, essigvernetzend für Fliesen und Keramik, neutralvernetzend für Naturstein, Marmor und blanke Metalle (Essigsäure greift Naturstein an und kann Metall korrodieren)
- Kartuschenpresse, am besten mit Schubstange statt reinem Druckhebel
- Fugenentferner als Gel oder Paste plus Cuttermesser und Kunststoffschaber
- Isopropanol oder Reinigungsbenzin zum Entfetten, fusselfreie Tücher
- Kreppband zum Abkleben, Fugenglätter oder Abziehspachtel, Glättmittel
- PE-Rundschnur, wenn die Fuge tiefer als etwa 6 Millimeter ist
- Einmalhandschuhe, Papiertücher, Mülltüte für die Altfuge
Kostenpunkt insgesamt meist im unteren zweistelligen Bereich. Die Kartusche ist der kleinste Posten, Presse und Fugenentferner machen den Großteil aus und halten für die nächsten Male.
Die Altfuge wirklich rückstandsfrei entfernen
Arbeiten Sie an einem trockenen Bad. Nicht nach dem Duschen, sondern am besten am Morgen nach einer Nacht ohne Wasserbelastung.
- Mit dem Cuttermesser beidseitig entlang der Fugenflanken schneiden, flach geführt, direkt an Fliese und Wannenrand. Bei Acryl- und Stahlemailwannen vorsichtig: Eine verrutschte Klinge hinterlässt einen Kratzer, der bleibt.
- Den gelösten Strang am Stück abziehen. Gelingt das, spart es viel Zeit.
- Reste mit dem Kunststoffschaber abheben. Metallklingen nur auf Fliesen, nie auf Acryl.
- Fugenentferner auftragen und die auf der Packung angegebene Einwirkzeit abwarten, meist mehrere Stunden. Danach lassen sich die letzten Schlieren abrubbeln.
- Fugenflanken mit Isopropanol abwischen, bis das Tuch sauber bleibt. Kein Allzweckreiniger, keine Seife, nichts mit Pflegezusatz, denn Tensidreste wirken wie Trennmittel.
Der Test, ob es reicht: Fahren Sie mit dem Fingernagel über die Flanke. Wo noch etwas gummiartig nachgibt, ist noch Silikon. Das muss weg.

Die unterschätzte Pause vor dem Spritzen
Hinter einer alten, undichten Fuge steht fast immer Feuchtigkeit. Wird sofort neu verfugt, schließt man dieses Wasser ein, und der Schimmel startet unter der frischen Fuge. Lassen Sie den geöffneten Fugenraum deshalb mindestens 24 Stunden trocknen, bei sichtbar feuchtem Untergrund zwei bis drei Tage. Fenster auf, Heizung an, notfalls mit kalter Stufe eines Föhns nachhelfen, aber nicht heiß auf Acryl.
In dieser Zeit darf in Dusche oder Wanne nicht gebadet werden. Wer nur ein Bad im Haushalt hat, plant die Arbeit sinnvollerweise auf Freitag und nutzt für zwei Tage eine andere Duschmöglichkeit.
Neue Fuge ziehen
Kleben Sie beide Seiten mit Kreppband ab, etwa zwei Millimeter Abstand zur späteren Fugenkante. Die Kartuschenspitze schräg anschneiden, Öffnung ungefähr so breit wie die Fuge. Dann in einem Zug arbeiten: gleichmäßiger Druck, Düse leicht gegen die Vorschubrichtung geneigt, lieber etwas zu viel Material als zu wenig.
Bei Badewannen gilt eine Regel, die viele überspringen: Füllen Sie die Wanne vor dem Verfugen mit Wasser und lassen Sie das Wasser erst ab, wenn das Silikon durchgehärtet ist. Die Wanne senkt sich unter Last um einige Millimeter. Wird im leeren Zustand verfugt, reißt die Fuge beim ersten Vollbad.
Glätten mit Glättmittel und Fugenglätter, nicht mit dem bloßen Finger und Spülmittelwasser. Spülmittel hinterlässt Reste an der Oberfläche, die später die Schmutzhaftung erhöhen. Das Kreppband wird sofort abgezogen, solange das Silikon noch nass ist, und zwar flach nach außen weg.

Aushärtung: wie lange Sie wirklich warten müssen
Silikon härtet nicht durch Verdunstung, sondern durch Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit. Es zieht deshalb von außen nach innen durch, bei Raumtemperatur und normaler Luftfeuchte ungefähr ein bis zwei Millimeter pro Tag. Die Haut bildet sich schon nach zehn bis zwanzig Minuten, aber eine Fuge, die fünf Millimeter dick ist, braucht darunter drei bis fünf Tage bis zur vollen Festigkeit.
Praktisch heißt das: 24 Stunden sind das Minimum, bevor die Fuge überhaupt Spritzwasser sehen darf. Für die erste Dusche sollten Sie 48 Stunden ansetzen, für das erste Vollbad lieber drei Tage. In einem im Winter trocken geheizten Bad mit niedriger Luftfeuchte dauert es eher länger als kürzer. Ein kleiner Luftbefeuchter oder eine Schale Wasser im Raum beschleunigt die Reaktion spürbar, Heizungsluft ohne Feuchte verzögert sie.
Erst nach dieser Zeit lassen Sie das Wasser aus der Wanne. Und erst dann prüfen Sie die Fuge, indem Sie mit dem Daumen seitlich dagegendrücken: Sie muss gleichmäßig nachgeben und sofort zurückfedern, ohne dass sich eine Kante löst.
Wo Silikon das falsche Mittel ist
Wenn Wasser austritt, obwohl die Fuge optisch intakt ist, wenn Fliesen rund um die Wanne hohl klingen oder der Putz an der Rückwand Blasen wirft, dann liegt der Schaden hinter der Fliese. Eine neue Fuge verdeckt das Problem für ein paar Monate und macht die Reparatur teurer. In diesem Fall gehört die Abdichtung geprüft, und das ist ein Fall für einen Fliesen- oder Sanitärbetrieb.
Dasselbe gilt für Wannen und Duschtassen, die sich beim Hineinsteigen hörbar bewegen. Dort hält keine Fuge, solange der Einbau nicht nachgebessert wird. Wer zum dritten Mal in zwei Jahren dieselbe Fuge erneuert, repariert das falsche Bauteil.